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Die kleinen Wunder des Alltags entdecken

15. Februar 2025

 

Mein Sohn hat zu Weihnachten ein Mikroskop geschenkt bekommen. Seitdem betrachten wir die Welt mit neuen Augen. Selbst in unscheinbaren Kieselsteinen entdecken wir faszinierende Strukturen und eine Schönheit, die uns staunen lässt. Es ist, als ob sich eine verborgene Welt vor uns auftut – eine Welt, die wir im hektischen Alltag oft übersehen.

Da frage ich mich: Wie sähe mein Leben aus, wenn ich es unter ein Mikroskop legen würde? Wenn die Kleinigkeiten des Alltags nicht mehr klein wären, sondern groß und voller Wunder und Schönheit?

Es sind nicht die spektakulären Ereignisse, die das Leben besonders machen, sondern die scheinbar unscheinbaren Momente: der Glanz von Raureif auf Ästen im Winterlicht, der Klang von Vogelgezwitscher an einem kalten Morgen oder das leise Knistern eines Holzofens. Diese kleinen Wunder sind ein Spiegel der Schöpfung – und erinnern uns an die besondere Beziehung zwischen Gott und Mensch.

Der Psalmist drückt dieses Staunen wunderbar aus:
„Wenn ich deinen Himmel sehe, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (Psalm 8,4-5)

Dieser Vers zeigt mir, dass wir in der Größe der Schöpfung klein erscheinen, doch in Gottes Augen von unschätzbarem Wert sind. Gott sieht uns, er gedenkt unser, und er nimmt sich unserer an – nicht trotz unserer Winzigkeit, sondern gerade in ihr.

So wie Kieselsteine ihre Geheimnisse unter dem Mikroskop preisgeben, zeigt sich auch im Alltag, dass Gott in den kleinsten Momenten gegenwärtig ist. Jede Begegnung, jeder Atemzug, das Flackern einer Kerze am Winterabend – all das spricht von seiner Liebe.

Die Beziehung zwischen Gott und Mensch wird in den kleinen Wundern sichtbar: Im Lächeln eines Fremden oder im Frieden eines stillen Augenblicks. Sie erinnert uns daran, dass Gott uns kennt und uns in seiner Schöpfung einen einzigartigen Platz gegeben hat.

Wenn ich meinen Alltag genauer betrachte, erkenne ich, dass diese kleinen Wunder eine Einladung sind – eine Einladung, innezuhalten, die Gegenwart Gottes zu spüren und in seiner Schöpfung unsere Verbindung zu ihm zu erkennen, trotz aller Schwierigkeiten. Es liegt an uns, diese Einladung anzunehmen und das Leben mit dankbarem Staunen zu betrachten.

 

Johanna Unger